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120 Gäste im Gropiushaus Hannover

30. Juni 2017

Foto: Andreas Bormann
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Zahlreiche interessierte Besucher im Garten des Gropiushauses in Hannover

Der Tag der offenen Tür am 18. Juni 2017 im Gropiushaus in Hannover war ein Erfolg. Der BDA Landesverband hatte dazu eingeladen anlässlich seines 70-jährigen Bestehens. Die beiden Führungen waren sehr schnell ausgebucht. Jeweils 60 Personen folgten interessiert den Worten Jürgen Eppingers zur Geschichte und Entstehung des Hauses.

Foto: Andreas Bormann
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Jürgen Eppinger erklärt das architektonische Konzept des Hauses

Da waren zunächst die Personen, die eine wichtige Rolle spielten. Zum einen der Bauherr, die Familie Stichweh, dann der Hannoveraner Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht und schließlich Architekt Walter Gropius. Hillebrecht hatte vor dem Krieg im Büro von Gropius gearbeitet und kannte den Bauhausgründer. Wilhelm Stichweh, Unternehmer und Kunstmäzen, hatte nach dem Krieg in der Gegenwart Hillebrechts erwähnt, dass er es bedauere, dass „in Deutschland so gebaut werde, als hätten Mies van der Rohe und Walter Gropius nicht gelebt“. Daraufhin stellte Hillebrecht den Kontakt zu Gropius her, der das Wohnhaus für die Familie Stichweh aus dem Exil in den USA entwarf.

Foto: Andreas Bormann
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Tag der offenen Tür beim BDA Niedersachsen

Der Stil des Hauses unweit der Herrenhäuser Gärten in Hannover knüpft an die Tradition der 1920er Jahre und die des Bauhauses an. Gropius verbindet den klaren Baukörper mit horizontalen Vordächern, die auf schlanken Stützen stehen. Details wie Fensterbänder und das Wechselspiel von Putz- und Ziegelflächen, von offenen und geschlossenen Flächen in der Fassade sind typische Elemente für den Baustil. Die sachlich-schlichte Form des zweigeschossigen Flachdachbaus mit gelben Klinkern bildet einen Kontrast zu den gutbürgerlichen Villen in seiner Nachbarschaft. 1974 erweiterten die Architekten Hübotter-Ledeboer-Busch das Haus um einen eingeschossigen Wohntrakt, der sich gut in das Ensemble auf dem von großen Bäumen umgebenen Grundstück bei den Herrenhäuser Gärten einfügt.

Foto: Andreas Bormann
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Filigrane Stahlstützen, schlanke Betondächer, gelber Klinker und weiße Putzflächen mit Fensterbändern prägen das Haus

Seit 1987 ist das Wohnhaus an den Bund Deutscher Architekten (BDA) Niedersachsen vermietet, der es zusammen mit dem Verein zur Förderung der Baukunst für Veranstaltungen und als Geschäftsstelle nutzt.

Zwischen den beiden Führungen hatten die Besucher die Gelegenheit, in einem neuen Gesprächsformat, dem „Trialog“, etwas über die Geschichte des BDA und insbesondere des BDA Landesverbandes Niedersachsen zu erfahren. Matthias Rüger, neu gewählter Landesvorsitzender, begrüßte die Gäste und stellte das neue Format kurz vor.

Foto: Andreas Bormann
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Der neue BDA Landesvorsitzende Matthias Rüger begrüßt die Gäste

Anschließend moderierte BDA Vizepräsident Kai Koch das Gespräch und richtete abwechselnd Fragen an Dilek Ruf, eine junge BDA Kollegin aus dem Vorstand der BDA Bezirksgruppe Hannover, und an Prof. Ekkehard Bollmenn, einen erfahrenen BDA Kollegen, der seit 1971 Mitglied im BDA ist. Dieser erinnerte sich an die Aufbruchzeiten in den 1970ern als alle Traditionen hinterfragt wurden und viel diskutiert wurde. Auch die dunkleren Zeiten während des Nationalsozialismus wurden angesprochen, als der (1903 in Frankfurt gegründete) BDA 1933 „gleichgeschaltet“ wurde und in der Reichskulturkammer unterging. Der BDA Landesverband Niedersachsen wurde parallel zum neuen Bundesland Niedersachsen nach dem Krieg am 14. Mai 1947 neu gegründet. Bundesweit gibt es rund 120.000 Architekten, von denen 5000 Mitglieder im BDA sind. Im Bundesland Niedersachsen gibt es rund 10.000 Architekten, von denen 380 Mitglied im BDA Landesverband sind.

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Wechselgespräch „Trialog“ über 70 Jahre BDA in Niedersachsen, Kai Koch (Mitte)  stellt Fragen an Dilek Ruf und Prof. Ekkehard Bollmann

Dilek Ruf schilderte die Schwierigkeiten für junge Architektinnen und Architekten heutzutage Fuß zu fassen, auch wenn die wirtschaftliche Lage zur Zeit im Bauwesen sehr gut sei. Früher habe es die Möglichkeit gegeben, über Wettbewerbserfolge Aufträge zu bekommen. Heute dominiere das Vergabewesen, Aufträge werden „vergeben“, und die Auftraggeber seien vorsichtiger geworden. Es fehle oft der Mut, jungen Büros eine Chance zu geben.
Der BDA Niedersachsen fördert junge Architekten und Absolventen. So vergibt z.B. die Bezirksgruppe Hannover einen Preis für Architekturabsolventen der Leibniz Universität Hannover, den BDA_H Master Thesis Award. Und der BDA Landesverband lobt den Architekturpreis „max 45  – Junge Architekten in Niedersachsen“ aus, der nur wenige Tage vor dem Tag der offenen Tür zum zweiten Mal vergeben worden war. Die Ausstellung konnten sich die Gäste nun im Gropiushaus ansehen. Sie wird im zweiten Halbjahr in einer Waderausstellung niedersachsenweit gezeigt werden.

Foto: Andreas Bormann
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Interessierte Zuhörer, auch bei der zweiten Führung

Viele Besucher blieben nach der zweiten Führung, um das Ambiente im Garten des Gropiushauses beim Glas Wasser oder Wein mit guten Gesprächen und schönstem Sommerwetter noch ein wenig zu genießen.

Susanne Kreykenbohm

Foto: Andreas Bormann
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Gropius, der BDA und seine Gäste