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Das Wichtigste ist der öffentliche Raum – BDAforum mit Alfred Berger

23. Februar 2018

Foto: Andreas Bormann
Foto: Andreas Bormann
Vor dem Vortrag im Hörsaal des Alvar-Aalto-Kulturhauses in Wolfsburg

Das Wichtigste ist der öffentliche Raum
Architekturvortrag von Alfred Berger, Berger + Parkinnen Architekten, Wien              

Müssen wir das Wohnen neu erfinden in unserer Zeit? Haben wir bisher falsche Antworten auf die Frage nach dem Wohnen gegeben? Oder wollen wir einfach nur das Wohnen verändern, um mal wieder etwas anders und neu zu machen? Warum braucht es überhaupt eine Veränderung? Provokante Fragen stellt Matthias Rüger, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in seiner Einleitung zum BDAforum im Alvar-Aalto-Kulturhaus Wolfsburg. Den Wiener Kollegen Alfred Berger haben die Architekten gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg eingeladen, um aus seinem eigenen Werk zu berichten mit dem Schwerpunkt Wohnungsbau. Denn Wien gilt unter Fachleuten als Vorreiter des innovativen, aber auch des sozialen Wohnungsbaus mit einer langen Tradition.

Das international tätige Büro Berger + Parkinnen Architekten wurde 1995 von Alfred Berger und Tiina Parkkinen gegründet mit Niederlassungen in Wien und Helsinki. Tiina Parkkinen ist Vorsitzende der Alvar-Aalto-Gesellschaft in Österreich und schon dadurch Wolfsburg sehr verbunden. Einige Bezüge zum finnischen Architekten, der 1958 Wolfsburgs Kulturhaus entwarf, spielen auch im Vortrag von Alfred Berger eine Rolle. Aber vor rund siebzig Zuhörern mit vielen Gästen aus Hannover und Brauschweig berichtet er auch, dass sich das damals noch recht junge Büro im Jahr 2000 am Wettbewerb für Wolfsburgs Science Center phaeno beteiligt hat. Er habe die Stadt damals sehr intensiv studiert.

Nach einer Begrüßung durch Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide zeigt Alfred Berger zunächst das Projekt, welches ihn und sein Büro vor rund zwanzig Jahren bekannt gemacht hat: die Nordischen Botschaften in Berlin. Als Folge der Wende sind sie im Tiergarten auf einem extrem kleinen Grundstück entstanden. „Es ging eigentlich nicht um die Gestaltung der fünf Botschaften, sondern um den Raum zwischen ihnen“, sagt Alfred Berger. „Denn das, was in einer Stadt wirklich wichtig ist, ist der öffentliche Raum.“ Es brauche Schnittpunkte der Begegnung von Menschen, um soziale Kontakte und Leben in zentralen Bereichen aktiv zu generieren.

Das gilt nach Ansicht von Alfred Berger auch für den Wohnungsbau. „Ein neues Verständnis von Gemeinschaft“, fordert der österreichische Architekt. Als Beispiele zeigt er die Wohnanlage „Am Rosenhügel“ und seinen Holzwohnungsbau für die Seestadt Aspern in Wien. Ein Hauptaugenmerk der Architekten galt der Freifläche im Innenraum der Gebäude. Daneben ist sein Vortrag ein Plädoyer für einen anpassungsfähigen, robusten Wohnungsbau, der in der Zukunft auch veränderten Anforderungen und Lebensweisen einen funktionierenden Rahmen bieten kann. Als Bespiel verweist Alfred Berger auf den Grundriss einer Wohnung der Gründerzeit, der mit seinem klaren Achssystem, vielfach gleichen Fensterformaten und Gebäudetiefen einen Rahmen bot, der noch heute sehr flexibel nutzbar ist.

Die Vortragsreihe „BDAforum“ des Landesverbandes Niedersachsen des Bund Deutscher Architekten (BDA) widmet sich in loser Folge dem Thema Architektur im Spannungsfeld von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und ist schon zum zweiten Mal zu Gast in Wolfsburg. Kooperationspartner sind hier das Forum Architektur der Stadt Wolfsburg und der Verein zur Förderung der Baukunst e.V. Der Vortrag gehört zum Begleitprogramm der Ausstellung „Neue Standards. Zehn Thesen zum Wohnen“, die aktuell in der Bürgerhalle des Rathaus Wolfsburg zu sehen ist. Am Samstag 24. Februar geht sie zu Ende. Ab 11:00 Uhr wird eine letzte Führung angeboten.
Nicole Froberg, Forum Architektur der Stadt Wolfsburg

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Matthias Rüger, Landesvorsitzender des BDA Niedersachsen, begrüßt die Gäste

 

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Wolfsburgs Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide

 

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Alfred Berger I BERGER + PARKKINNEN ARCHITEKTEN, Wien

 

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Interessierte Zuhörer im großen Hörsaal

 

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Der Vortrag aus einem anderen Blickwinkel

 

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Gespräche nach dem Vortrag im Foyer